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Friedensgebet Kirchentag Thema „Gerechtigkeit und Friede sich küssen (Psalm 85) Dresden Kreuzkirche 4.6.2011 21.00 Uhr- 22.00 Uhr
Referat Cathrin Schauer
Ich möchte ihnen von Katarina, einer jungen slowakischen Frau und ihrem kleinen Kind erzählen. Sie wurde als Minderjährige zur Prostitution in eine tschechische Grenzstadt verkauft, missbraucht und misshandelt und schließlich von ihrem Zuhälter geschwängert. Viel Geld würden die Deutschen für Schwangere zahlen, sagte sie uns. Auf die Strasse gestellt oder in einem Zimmer eingesperrt musste sie Sextouristen empfangen. Später haben ihr die ZuhälterInnen das Kind weggenommen, als Pfand sozusagen und um Sie weiter gefügig zu machen. Ihr kleines Kind hörte sie oft im Nachbarzimmer schreien. Ihr Zuhälter habe es oft in eine Wanne mit kaltem Wasser gesetzt. Was sonst noch mit dem Kind passierte, weiß sie bis heute nicht. Vieles jedoch wies auf sexuellen Missbrauch hin. Auch in deutsche Bordelle wurde Katarina zwischendurch verkauft. Irgendwann ist sie dann mit ihrem kleinen Kind geflüchtet. Weggelaufen ohne Ausweisdokumente aus einer kleinen Grenzstadt in der Tschechischen Republik, über drei Ländergrenzen, bis sie endlich in Sicherheit waren. Die Geschichten der Betroffenen von Zwangsprostitution und Menschenhandel klingen fast alle ähnlich, als hätten Krimiautoren voneinander abgeschrieben. Doch es sind wahre Geschichten. Es sind lebendige Frauen und Kinder – keine statistischen Zahlen - die wie Ware transferiert werden und unter sklavenähnlichen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Weltweit werden jedes Jahr bis zu 4 Mio. Menschen Opfer dieser Verbrechen . Die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Frauen boomt und hat sich zu einer Form der modernen Sklaverei von Menschen entwickelt. Auch die Nachfrage nach so genannten Kinderprostituierten steigt. UNICEF schätzt, dass es allein in Brasilien bis zu 2.000.000 Kinderprostituierte gibt. Doch auch ganz in unserer Nähe treffen wir diese Problemlagen an – z.B. in den tschechischen Grenzregionen oder auch in Deutschland und weltweit. Die Prostitution findet dort rund um die Uhr statt. Ob es sich auf der Straße, in Bordellen, Spielhallen, Wohnungen oder an öffentlichen Plätzen wie Supermärkten und Parkanla¬gen abspielt- die Frauen, Mädchen und Jungen müssen zu jeder Tages und Nachtzeit, Winter wie Sommer für sexuelle Dienstleistungen, Quälereien und Demütigungen jeder Art zur Verfügung stehen. Diese Ausbeutung erfolgt meist unter massiver Gewaltanwendung und ist für die Opfer extrem belastend. Viele sind ihr Leben lang von den Erlebnissen traumatisiert, gleiten in die Drogensucht ab oder werden gezielt von ihren Zuhältern unter Drogen gesetzt. Aufgewachsen ohne Liebe - zwischen Gewalt und Missbrauch - haben sie sich größtenteils von ihrem Körper abgespalten und neigen häufig zu Selbstverletzungen. Die wirtschaftliche Not vieler Kinder und Frauen wird schamlos zur Befriedigung sexueller Wünsche und Machtgelüste ausgenutzt. Mit dem Anbieten ihrer Körper, häufig auch noch fotografisch oder auf Video festgehalten, tragen die Kinder oftmals zum Lebensunterhalt ganzer Familien bei.“ Zahlreiche Pädokriminelle bereisen täglich die deutsch-tschechische Grenzregion. Im Alltag als liebevoller Familienvater oder anständige Mann von Nebenan bekannt, leben sie dort ihre sexuellen Perversionen an den Körpern und Seelen unzähliger minderjährige Mädchen und Jungen aus.“ Nachfragen seitens deutscher Männer beziehen sich sowohl auf Kinder im vorpubertären Alter, als auch nach sehr kleinen Mädchen und Jungen. Der Trend geht zum Wickeltisch. Viele Sextouristen wiegen sich in einer unglaublichern Sicherheit und leben ungehindert ihre Perversionen und Gewaltfantasien aus. Laut Kriminalpsychologe Gallwitz bestehen die Motive der Sextouristen nur vordergründig im Ausleben ihrer Sexualität, tiefer ist der Wunsch nach Aggressions- und Machtausübung verwurzelt. Dies spiegelt sich in einer offenen Brutalität gegenüber den Prostituierten wieder. Die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Frauen in Tschechien oder eben auch in Deutschland haben Todesängste oder keine Möglichkeit, diese Verbrechen anzuzeigen, weil sie die Konsequenzen der Anzeige fürchten - zu Recht, da die örtliche Polizei und Justiz oftmals korrumpiert ist oder die Frauen von ihren Zuhältern nonstop überwacht und bedroht werden. Dies führt auch zu einer mangelnden Kenntnisnahme des Problems in der Öffentlichkeit und bei den zuständigen Behörden. Umso wichtiger ist es gerade diese scheinbar nicht vorhandenen Menschen zu sehen, sie zu erkennen und für ihre Rechte einzutreten. Denn das Leid dieser Menschen kennt unzählige Gesichter. Im Rahmen der Arbeit von KARO e.V. ist es die 18- Jährige mit ihren 2 Kindern und ihrem gewalttätigen Zuhälter und gleichzeitigem Ehemann, die heroinabhängig geworden ist, weil sie die ganzen Misshandlungen sonst kaum überstehen würde. Es ist eine Frau, deren Ohrläppchen abgerissen und deren Hals von Messerstichen gezeichnet ist, ihre Arme zeigen Einstichstellen als Folge des Drogenkonsums und ihre Augen spiegeln so unendlich viel Traurigkeit wider, dass es wehtut. Es sind die Frauen, die hinter den Schaufenstern stehen müssen und die Tür nur einen Spalt weit öffnen – weit genug um ihre zerschlagenen, dünnen Beine zu sehen und ihre Gänsehaut, weil sie kaum mehr als Unterwäsche tragen. Es sind die unzähligen Kinder, die direkt bei den Hintereingängen dieser Schaufenster-Bordelle spielen. Es ist auch die über 50jährige Frau, die so dünn ist, dass wir ihre Knochen zählen könnten. Die Hunger hat und dennoch mit uns lacht, weil sie sich so sehr freut, dass sie jemand ernst nimmt. Es ist die junge Mutter, deren 6-Monate altes Baby in Obhut ihrer Zuhälter ist und die uns ein letztes Mal traurig zulächelt, als ihr Zuhälter wütend angerannt kommt und wir wegfahren müssen. Und es ist das 15 jährige Mädchen, das in einer sächsischen Großstadt in einer Wohnung über Stunden vergewaltigt, gefoltert und dabei gefilmt wurde.
Vor allem aber sind es diese traurigen Frauen und Mädchen, die uns die Schattenseiten unserer modernen und aufgeklärten Gesellschaft in erschreckend offener Art und Weise demonstrieren und uns zeigen, wer die Rechnung für das Handeln unserer Konsumgesellschaft übernimmt.
Denn unsere hoch technisierte Leistungsgesellschaft, gekennzeichnet durch die Rationalisierung der Lebensbedingungen und der Arbeit bringt Menschen hervor, die von einer emotionalen Armut geprägt sind. Im Besitz einer vergleichsweise unglaublichen Kaufkraft entstehen Konsumgewohnheiten, die vermitteln, dass alles in unserer Welt konsumierbar und käuflich ist. Lust wird psychologisiert, medialisiert und technisiert. Es ist nicht nur ausdrücklich erlaubt, was gefällt, es wird auch leistungsbezogen eingefordert. Dies sorgt für Ausmaß und Art der Nachfrage.“
Sexuelle Gewalt an Kindern und Frauen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und die Menschen, die sich dieser verbrechen schuldig machen, müssen wie Kriegsverbrecher und Folterer behandelt werden.
Helfen Sie mit, dass den Kindern und Frauen ihre Würde zurückgegeben wird und dass sie endlich Gerechtigkeit erfahren.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit
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