| KARO Pressemitteilung vom 15.07.2010 |
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Kindstod durch Misshandlung in Plauen & fehlende Zivilcourage Es tönt ein Aufschrei durch Plauen – doch warum erst jetzt? Keiner wollte die Schreie des Kindes gehört haben, erst Recht hat niemand es gewagt selbst einzuschreiten. Wie der neuste Fall von dem, durch seine Eltern zu Tode gequälten Zweijährigen zeigt, scheint es trotz zahlreichen regionalen sozialen Einrichtungen und Beratungsangeboten nicht möglich zu sein Kinder vor Misshandlung zu bewahren. Wie auch, wenn die Angst davor, seine Nachbarn eventuell zu Unrecht einer Kindesmisshandlung zu beschuldigen, fester sitzt als die Sorge um das Wohl des Kindes selbst. Wenn familiäre Gewalt als Privatangelegenheit betrachtet wird, wo Einmischen unerwünscht und wegschauen an der Tagesordnung ist? Das soziale Umfeld dieser Familie will scheinbar nichts von den Verhältnissen gewusst haben, die den Jungen letztlich das Leben kosteten. Wem nützt dann also noch die immer erst nachfolgende Pseudo-Diskussion über den Werteverfall und die damit einhergehende Verrohung der Gesellschaft, wenn sie keinen präventiven Charakter für die Zukunft in sich birgt und ebenso schnell erlischt wie sie entfachte. „Die Gesellschaft“ – das sind wir. Jeder einzelne von uns trägt die Verantwortung für unsere Zukunft und unsere Kinder. Optionen die wir nicht benutzen, sind Optionen die wir nicht besitzen. Die Schuld lastet nicht nur auf den misshandelnden Eltern sondern auch auf jedem einzelnen Bürger, der nichts sah, nichts hörte und nichts tat. Wie kann es möglich sein, dass garantiert jeder die laute Musik der jugendlichen Mieter nur zu gut hört, doch die Schreie eines Kindes regelmäßig überhört werden? Und wie lässt sich erklären, dass zwar alle in der Lage sind sich lauthals über Hundekot aufzuregen, doch keiner auch nur einen Ton von sich gibt, wenn in der unmittelbaren Nachbarschaft Kindern Gewalt angetan wird? Worin begründet sich das Fehlen der notwendigen Zivilcourage? Zur Auffrischung: Zivilcourage umfasst aktives Vertreten von sozialen Werten, welche sich an humanen Prinzipien unserer Gesellschaft orientieren, ohne dabei Rücksicht auf persönliche Nachtteile zu nehmen. Sind menschliche Werte wirklich in Vergessenheit geraten oder ist nur niemand mehr dazu bereit, den Preis für Mut zu zahlen? Es muss ja schließlich gespart werden in Deutschland – an Nerven, zivilem Engagement und im Sozialen Bereich sowieso. Warum also wird überrascht und geschockt auf die Ernte reagiert, die zuvor selbst gesät wurde? Als ortsansässiger gemeinnütziger Verein, dessen Zielsetzung die Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder und Frauen beinhaltet, wissen wir von KARO e.V., dass Gewaltübergriffe an Kindern in unserer Region kein Einzelfall sind und deshalb nicht individualisiert werden dürfen. Seit Jahren erreichen uns Hinweise auf (mögliche) Kindeswohlgefährdung/en, die wir sofort ans zuständige Jugendamt weiter leiten. Wir unterhalten eigenständig eine Beratungsstelle in Plauen sowie ein Schutzhaus im Vogtlandkreis für von Gewalt betroffene und/oder bedrohte Frauen und Kinder. Zusätzlich widmet sich der von uns ins Leben gerufene Arbeitskreis „Sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Kinder in Plauen und im Vogtlandkreis“ der Prävention und will durch verschiedene Projekte die Zivilcourage in der Region anregen bzw. stärken. "Die Rettung der Menschheit besteht gerade darin, dass alle alles angeht" (Alexander Solschenizyn, 1970). KARO e.V. Lesen Sie weitere Informationen auf: |


